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Die häufigsten K.-o.-Mittel

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Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die bei Sexualdelikten am häufigsten verwendeten K.-o.-Mittel auf der Grundlage einer Übersichtsarbeit, die 2009 im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist. In den Medien ist oft nur von GHB und GBL die Rede, doch sind dies bei weitem nicht die einzigen Substanzen, die einen Menschen außer Gefecht setzen können. Schon die Bezeichnung “K.o.-Tropfen” ist irreführend, denn es werden nicht nur flüssige Substanzen verwendet.

K.-o.-Mittel: Eine Vielzahl an Wirkstoffen

Viele der als K.o.-Mittel missbrauchten Substanzen werden in der Medizin als Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt. Andere werden als Partydrogen verwendet. Allen gemeinsam ist, dass sie in entsprechend hoher Dosierung zu einem Rauschzustand führen, der die Fähigkeit, Gefahren zu erkennen und abzuwehren, außer Kraft setzt. Häufig treten auch längere Gedächtnislücken auf. Heimlich ins Getränk gemischt, setzen sie das Opfer so zuverlässig außer Gefecht wie der gezielte Faustschlag eines Profiboxers – ein sprichwörtlicher “Knock out”.

Die mit Abstand am häufigsten nachgewiesene Substanz bei Sexualdelikten ist Alkohol, gefolgt von Cannabis und Kokain. Es wird davon ausgegangen, dass der Konsum in den meisten Fällen freiwillig erfolgt. In etwa 2 % der Fälle handelt es sich jedoch um unfreiwilligen Konsum, wobei Benzodiazepine an erster Stelle stehen. GHB wird in Europa relativ selten sicher nachgewiesen. Da es vom Körper sehr schnell abgebaut wird, ist mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen.

Benzodiazepine und Z-Substanzen

Benzodiazepine machen müde, wirken entspannend und angstlösend. In hohen Dosen schränken sie die Kritikfähigkeit und die Wahrnehmung von Gefahren ein. Gleichzeitig machen sie schläfrig und kraftlos. Am nächsten Tag können sich die Betroffenen oft an nichts mehr erinnern.

Ein klassisches K.o.-Mittel dieser Gruppe ist Flunitrazepam (Rohypnol), das sich in Flüssigkeiten vollständig auflöst und bereits in geringer Dosierung eine enorme Wirkung entfaltet. Wegen des häufigen Missbrauchs sind die heute erhältlichen Präparate mit einem blauen Farbstoff und einer Bitterstoffsubstanz versehen, die eine heimliche Verabreichung zumindest erschweren. Außerdem ist ein BtM-Rezept erforderlich.

Weiterhin mit einem normalen Rezept erhältlich ist Diazepam (Valium, Faustan, Valocordin), eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente aus dieser Gruppe. Diazepam ist auch in flüssiger Form erhältlich. Der Geschmack ist unauffällig und wird von alkoholischen Getränken vollständig überdeckt.

Die meisten Benzodiazepine sind über mehrere Tage im Blut nachweisbar.

Schlafmittel wie Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon (“Z-Drugs”) sind in Struktur und Wirkung den oben genannten Benzodiazepinen sehr ähnlich. Sie machen ebenso schläfrig und führen zu Gedächtnisstörungen, haben aber eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit und sind daher schwerer nachzuweisen.

GHB und GBL

Wie sein chemischer Vorläufer GBL wirkt GHB in geringer Dosierung aufputschend und geselligkeitsfördernd, in höheren Dosen jedoch als Schlafmittel. Gefährlich ist die Kombination von GHB mit Alkohol und anderen Drogen. Höhere Dosen können zu einem komatösen Zustand und bei starker Überdosierung zum Tod führen.

GHB und GBL werden vom Körper innerhalb kürzester Zeit vollständig abgebaut, so dass das Zeitfenster für einen Nachweis sehr klein ist.

Ketamin

Ketamin wird in der Medizin unter anderem als Anästhetikum eingesetzt, ist aber auch als Droge weit verbreitet. Bereits geringe Mengen verändern das Bewusstsein, führen zu dissoziativen Zuständen und setzen als K.O.-Mittel das Opfer vollständig außer Gefecht.

Weitere K.-o.-Mittel

Neben den oben genannten Substanzen gibt es eine Reihe von ca. 100 weiteren Substanzen, die sich theoretisch als K.o.-Mittel eignen, in der Praxis aber nur selten eingesetzt werden. Dazu gehören Anticholinergika wie Scopolamin und Atropin, Antihistaminika der ersten Generation wie Diphenhydramin und Promethazin oder Muskelrelaxanzien wie Carisoprodol oder Cyclobenzaprin.

In der Partyszene spielen auch flüchtige Substanzen wie “Poppers” eine Rolle, die aber aufgrund ihrer kurzen Wirkungsdauer kaum als K.O.-Mittel missbraucht werden können.

Vorsorge und Abwehr

Kommerziell angebotene Teststreifen zum Nachweis von K.O.-Substanzen in Getränken (zum Beispiel das Xanthus-Armband) erkennen meist nur die in den Medien am häufigsten genannte Substanz GHB. Aufgrund der Vielzahl chemischer Verbindungen ist die Realisierung eines “One-in-all”-Tests kaum zu erwarten.

Unabhängig von der verwendeten Substanz haben sich jedoch die Standardregeln für einen sicheren Partyabend in der Praxis bewährt: Keine offenen Getränke annehmen (vor allem nicht von Fremden), das eigene Glas nicht aus den Augen lassen und bei Verdacht sofort Freunde, Bekannte oder das Personal ansprechen.

Quelle und mehr Details


K.-o.-Mittel Symbolbild
K.o.-Mittel sind nicht immer Tropfen. Oft werden auch zerkleinerte Tabletten verwendet.

 

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